Evtl. ungewöhnlich; aber Aufwand, der sich lohnt!

Wie das Photo zeigt, ist die Weiche der Quintessenz nicht ganz trivial. Dies ist hauptsächlich der 'besonderen Behandlung', die der Sica TMT bekommt, zuzuschreiben. Der Impedanzlinearisierung der Gesamtbox sind drei weitere Weichenbauteile 'anzulasten'. Selbige ist aber optional und nur nötig, wenn die Quintessenz 2.0 an einem Röhrenverstärker betrieben werden soll. Trotz dieses Aufwandes bleibt es aber günstig, da insbesondere die Kondensatoren und Widerstände der Korrekturschaltungen preislich im Cent-Bereich angesiedelt sind. Am pflegeleichtesten zeigt sich der HT der Quintessenz 2.0, der lediglich drei Bauteile benötigt, um fehlerfrei zu spielen. Daher hier dann auch zunächst die Beschaltung der Tymphany Kalotte. Zunächst der HT unbeschaltet:

Der HT spielt schön linear und ich messe ihn, wie vom Hersteller angegeben mit im Schnitt 91dB. Deswegen bringt ein serieller Widerstand den Hochtöner entsprechend auf Bezugspegel der Box:

Der Widerstand linearisiert zudem den FG noch weiter. Ein einfacher 3,9µF Kondensator und eine hochohmige 0,47mH Spule modellieren dann die Flanke.

Passt so! Wäre schön, wenn das beim Sica TMT auch so einfach wäre; ist es aber leider nicht. Warum eine herkömmliche Beschaltung mit großer Spule und parallelem Kondensator kein akustisch befriedigendes Ergebnis liefert, habe ich in diesem Artikel erklärt. Hier der FG des Sica 6H 1,5CP unbeschaltet.

Zunächst wird der Anstieg der Impedanz des TMT zu den hohen Frequenzen mittels einer Schaltung von Widerstand und Kondensator begradigt. Wer wissen will, warum das in diesem Fall (und vielen anderen auch) nötig ist, kann dies hier nachlesen. Dazu kommt noch ein Tiefpass dritter Ordnung. Sieht dann so aus:

Die Flanke fällt so schon einmal recht gut; der Buckel zwischen 500 und 2000Hz kann so natürlich nicht bleiben. Daher wirkt dann ein zusätzlicher Saugkreis wie folgt:

Na, das sieht doch schon fast perfekt aus. Nur der kleine Peak in der Flanke bei 3kHz spuckt da noch in die Suppe. Schade; aber da könnte man doch ...?!? Richtig! Wenn man dem Kondensator im Tiefpass noch eine Spule und einen Widerstand nachschaltet, entsteht ein zusätzlicher Saugkreis, der richtig dimensioniert, den Peak einebnet und die Flanke weiter begradigt. Sieht so aus:

So wird eine perfekt symetrische Flanke zum HT hergestellt. Die beiden Flanken addieren sich dann zu einem schön linearen Gesamt-Frequenzgang der Box mit einer Trennungfrequenz von ca. 2100Hz.

Simulation und reale Messungen zeigen sich deckungsgleich. Die Impedanz der Gesamtbox wird dann lediglich noch durch eine Schaltung aus Widerstand, Spule und Kondensator für den Betrieb an Röhrenverstärkern linearisiert.

So muss das! Im Schema sieht das so aus (die Werte entsprechen denen der tatsächlichen Weiche der Quintessenz 2.0):

In der Realtät passt das relativ platzsparend auf ein Weichenbrett.

Wie bereits geschrieben. Das ist für eine Zweiwege.Box ein evtl. ungewöhnlicher Aufwand. Dieser ist wegen der vielen günstigen Bauteile aber nicht teuer und lohnt sich, denn der Selbstbauer wird mit einer perfekt linear spielenden Box belohnt. Die Range von -/+ 1dB im gesamten Frequenzband sind eine Ansage, die mit einer weniger aufwändigen Beschaltung nicht zu erreichen gewesen wäre.