Kompakte pegelfeste Box mit neuem Sica 5.5H Studio Woofer

Vor etwas mehr als zwei Jahren habe ich die Harris gebaut; eine schöne Kleinbox mit Sica 5-Zoll Tiefmitteltöner der Studio-Serie und einer Seidenkalotte aus dem gleichen Haus. Als Sica im Laufe des letzten Jahres die neue Version dieses Chassis auf den Markt brachte, lag es nahe, mit eben diesem Sica 5,5 H 1.5 CP eine neue Version der Harris zu entwickeln. Rein augenscheinlich hat die neue Version des Töners etwas mehr Membranfläche und kommt mit einem runden Korb daher, sodass Einfräsen problemlos möglich ist. Darüber hinaus sind die TSP des schicken Studio-Woofers so ausgefallen, dass er in einem recht kompakten Gehäuse bis Mitte 40Hz spielt.

Ich bin am Ende in wandnaher Aufstellung sogar bei fast 40Hz und schön druckvollem Bassfundament gelandet. Als Spielpartner habe ich erneut zur günstigen Sica Seidenkalotte LP 98.25/ 245 TW8 aus der Ur-Harris gegriffen. Damit ist die Bestückung der Harris MK II, je nach Anbieter, für um die 60€ zu haben. Die Weiche gestaltet sich zwar etwas aufwändiger, ist aber preislich noch so im Rahmen, dass die Box inklusive Holz und Kleinteilen für ca. 110€ zu bauen ist. Warum bei der Weiche etwas Aufwand nötig ist, wird bei der Betrachtung der Messungen der unbeschalteten Chassis im Gehäuse deutlich. Zunächst der TMT:

Man erkennt einen sehr weit nutzbaren Frequenzgang, der sich neben dem zu erwartenden Baffle-Step obenrum mit einer Membranresonanz verabschiedet. Wenn man diesen Töner fälschlich mit einem groß dimensionierten 12dB-Filter beschaltet, würde dies zu einem Einbruch im FG bei ca. 400Hz führen. Warum dies so ist, habe ich hier erklärt. Etwas aufwändiger beschaltet lässt sich der Töner aber zu folgendem Verhalten 'überreden':

Das ist bei leicht fallendem Verlauf zur Trennfrequenz hin extrem linear und die Flanke zum HT fällt fast störungsfrei. Daraus ergibt sich zwangsläufig die Frage, wie sich selbiger präsentiert. Und diese Frage lässt sich so beantworten:

Da gibt es zwar kleinere Welligkeiten, dennoch bietet der HT einen schön ausgewogenen FG, der mit im Schnitt 90dB für die meisten Kombinationen mehr als ausreichend ist. Wenn man dann noch bedenkt, dass der LP 98.25 /245TW8 (je nach Anbieter) schon für um die 20€ zu haben ist und obendrein noch mit einer massiven Frontplatte aus Alu-Druckguß ausgestattet wird, ist es schon fast unverschämt günstig, was man zu dem Preis geboten bekommt. Da ich außerdem ja um die akustischen Qualitäten des sehr chic anmutenden Hochtöners wusste, war ich entsprechend froh, dass er nach wie vor zu diesem günstigen Preis angeboten wird. Beschaltet sieht es dann so aus:

Da bleiben leichte Welligkeiten, ansonsten lässt sich aber mit einfachen Mitteln eine störungsfreie Flanke zum TMT modellieren und der Pegel durch Spannungsteiler anpassen. Demzufolge war es dann auch möglich, diese beiden Töner zu einem gelungenen Gesamtkonstrukt zu verbinden:

Da gibt es tönerimmanente Welligkeiten, der Gesamtfrequenzgang bewegt sich aber im Bereich von +/- 1dB, wenn man sich eine Referenzlinie bei ca. 83dB denkt. Lediglich im Superhochton habe ich dem HT gestattet, gemäß seiner Eigenart etwas zu übertreiben, um dem Klangbild etwas zusätzlichen 'Glanz' zu verleihen.

Einen Kritikpunkt könnte man allerdings bei ca. 6kHz ausmachen, weil dort evtl. gerade mit Blick auf das Verhalten der Box unter Winkeln etwas viel Energie im Raum ist. Deswegen habe ich dort mittels Saugkreis noch etwas 'Dampf' rausgenommen, was sich dann so zeigt:

Dadurch wird im fraglichen Bereich der Pegel leicht reduziert. Insbesondere in wenig bedämpften Hörräumen wird diese Maßnahme der Langzeittauglichkeit zuträglich sein. Im direkten Vergleich sind das zwar nur Nuancen, aber ich habe letztlich dieser Variante den Vorzug gegeben und höre die Box in der 'entschärften' Version. Wer es gern etwas luftiger oder crisp mag, wird auf diese Maßnahme verzichten können. Die beiden Varianten im Vergleich:

Ich würde da nicht von 'richtig' oder 'falsch' sprechen, sondern die Entscheidung für eine der beiden Varianten dem persönlichen Hörgeschmack überlassen. Beide Varianten haben je nach Geschmack und Abhörsituation ihre jeweilige Berechtigung. Ebenso wie der Achsen-FG der Harris MK II interessiert natürlich auch das Verhalten der Box unter Winkeln (0-45°).

Damit kann man mehr als zufrieden sein! Bei leichten Welligkeiten gibt es keine schlimmen Aufweitungen oder Stellen im FG, an denen die Winkel-FGs über den Achsen-FG hinausgingen. Lediglich die Tatsache, dass der 15°-FG dicht zum Achsen-FG liegt, belegt, dass die Maßnahme, den HT etwas einzubremsen (s.o.) keine ganz ungeschickte Variante sein muss.

Letztlich bin ich dann noch die Messung der Impedanz der Box schuldig, was ich hier dann auch gern nachhole:

Es fällt direkt auf, dass ich die Box auf etwa 40Hz abgestimmt habe. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass es durch das Dämmmaterial eine virtuelle Volumenvergrößerung des Gehäuses gegeben hat und die Box leicht fallend abgestimmt ist. Das funktioniert gehört übrigens prächtig, denn der Sica TMT liefert ein sauberes und souveränes Bassfundament. Die Mitten sind absolut ausgewogen und der HT zeichnet so schön fein, dass er sich auch hinter teureren Kalotten seiner Zunft nicht verstecken muss. Insgesamt eine Box, der beim letzten D.A.U.-Treffen alle Beteiligten eine "hohe Musikalität" bescheinigten.

Dass gutes HiFi nicht teuer sein muss, kann die Harris MK II mal wieder eindrucksvoll belegen, denn alle 'Zutaten' bewegen sich in überschaubarem Rahmen:

 

- Sica 5,5H 1.5CP (je nach Anbieter 40-45€)

- Sica LP98.25/ 245TW8 (je nach Anbieter ca. 20-25€)

- Weiche (ca. 25€)

- Bedämpfung und Kleinteile (10€)

- Holz inklusive Schallwand aus dunklem MDF (5-7€)

- ein halbes Blatt Furnier (ca. 7€ je nach Muster und Holzart)

 

Damit ist es selbst bei Rechnung mit dem jeweils höchsten Preis aus der Auflistung möglich, ein komplett gefinishtes Exemplar der Harris MK II für unter 125€ aufzubauen. Dafür bekommt man eine hochmusikalische Box, die trotz ihrer kompakten Ausmaße ordentlich Tiefgang bietet und sich, insbesondere wegen ihrer geringen Größe, spielend in jeden Wohnraum integrieren lässt. In allen mittelgroßen Wohnräumen dürfte die Harris MK II keine Wünsche an hochwertige Musikreproduktion offenlassen.

Als Finish habe ich der Harris ein etwas auffälligeres SaRaiFo-Furnier zukommenlassen, welches ich dann in insgesamt sieben Schichten glänzend versiegelt habe. Hier geht es zur Frequenzweiche und dem Bericht der Weichenentwicklung; hier gibt es den kompletten Bauplan des Gehäuses nebst Bedämpfung. Am Ende der Seiten gibt es jeweils (als Service sozusagen) die entsprechenden Dokumente zum Download. Für Interessierte schonmal ein kleines Video der, wie ich finde, sehr chic gewordenen Box!