2-Wege-TQWT in doppelter Faltung mit Monacor SPM-116/8 und Aurasound FT1-81-8

Nico Germanos von der Firma Quint Audio hatte vor etwas mehr als einem Jahr verschiedenen Entwicklern eine größere Menge der günstigen Aurasound Hochtöner FT1-81-8 zu Entwicklungszwecken zur Verfügung gestellt. Ich hatte mich dazu entschlossen, passend zum Preis des HT einen günstigen Spielpartner zu suchen und eine möglichst günstige, aber gut klingende Einsteiger-Box zu entwicklen. Die Suche nach einem Spielpartner entpuppte sich als gar nicht so einfach, denn neben dem Preis musste der Spielpartner auch eine recht hohe Trennfrequenz (möglichst größer 4kHz) mitmachen, weil die günstige Kalotte eine klanglich vertretbare tiefere Trennung nicht zulässt.

Diesen Spielpartner fand ich schließlich im Produktportfolio von Monacor mit dem Tiefmitteltöner SPM-116/8. Dieser hat einen ausgedehnten nutzbaren Frequenzgang und liegt preislich im Rahmen. Die etwas höhere Gesamtgüte kam mir ganz gelegen, denn ich wollte dem Töner in TQWT etwas mehr Tiefgang entlocken. Diese Bauart eignet sich besonders für Treiber mit einer Qts von 0,4 - 0,7. Die verlässliche Simulation dieser Bauart lässt sich in meinen Augen eigentlich nur mit den KingSheets bewältigen. Die Simulation des Töners anhand der TSP, die ich selbst gemessen hatte, weil Monacor nur wenige Rahmendaten für den Töner angibt, versprach folgende Ausgangslage:

Das macht einen sehr soliden Eindruck. Die leichte Überhöhung zwischen 80-200Hz hatte ich bewußt eingeplant, weil diese kleinen Tönern oft gut zu Gesicht steht, um fehlenden Tiefbass zu kaschieren. Mit 45Hz Abstimmfrequenz bei einem 10cm TMT muss sich die Box aber absolut nicht verstecken. Ärgerlich für mich war allerdings, dass ich die komplette Entwicklungsarbeit  zweimal leisten musste, weil ich die Box zunächst mit einem Paar der TMTs gbaut hatte, die ich zufällig noch im Regal hatte. Zum Glück hatte mich Alex noch darauf  hingewiesen, dass die Produktion der Töner verlagert wurde und damit auch geänderte TSP- und Frequenzgangdaten einhergingen. Die Icebox bedient sich also der Töner aus neuerer Produktion. Der langen Rede kurzer Sinn: 45Hz bei weitgehend linearem Verlauf aus knapp 10 Litern sind so schlecht nicht.

Lediglich die dafür nötige Position des TMT machte mir Kopfzerbrechen, denn dieser musste auf etwa der Mitte der Linie sitzen, um dieses Resultat zu liefern. Dies hätte bei herkömlicher Faltung bedeutet, dass der Töner auf dem Deckel der gefalteten Box gesessen hätte. Der User 'Eismann' im dhf hat aber ein kleines Tool zur doppelten Faltung von TQWTs entwickelt, mittels dessen ich die oben zu sehende doppelte Faltung realisieren und den Töner richtig auf der Schallwand  platzieren konnte. In Anlehnung an die Nutzung des Tools von 'Eismann' bekam die Box ihren Namen.

Die Messung der Töner im Testgehäuse ergab dann eine verlässliche Simulation der Weiche, die sich in der Realität so misst:

Das ist für eine Treiberkombination dieser Preiskategorie nahezu grandios linear. Auch unter Winkel leistet sich die Box neben einer kleinen Aufweitung bei 3.5kHz keine groben Schnitzer:

Die Bedämpfung der Box mit etwas Material im Keil (zu Beginn etwas fester gestopft) und einem akustischen Sumpf am Ende der Linie habe ich mit Resten aus dem Fundus hergestellt. Das ließe sich auch zuverlässig rein mit Sonofil nach diesem Muster herstellen. Die Weiche habe ich, wegen der schwierigen Zugänglichkeit bei der doppelten Faltung einfach per Sperrholzbrett auf die Rückseite verfrachtet. Im Bild ist noch zu sehen, wie ich den Port als Ausgang für die Zuleitungen zu den Chassis benutze. Wie man das im Detail löst oder, ob man ggf. ein separates Weichenfach noch unter der Box einplant, ist dem jeweiligen Gutdünken des Bastlers überlassen.

Es war recht früh in der Entwicklungsphase klar, dass Quint Audio daran Interesse hat, die Box als günstigen Einsteiger-Bausatz in den Shop aufzunehmen. Da dort der komplette Bauplan veröffentlicht ist, verweise ich ggf. Nachbauwillige einfach dorthin: Icebox im Quint-Store! In Vorbereitung auf die Aufnahme in den Store hat es noch ein Feintuning der Weiche gegeben, das dort ebenfalls bereits berücksichtigt ist. Auch findet sich dort eine kurze klangliche Beschreibung.

Ich persönlich hätte zu Beginn des Projektes nicht gedacht, dass mit so günstigem Material eine so gut klingende Box realisierbar ist. Die Box macht eine schöne Bühne, hat einen angenehm trockenen Bass und wirkt zu keinem Zeitpunkt nervig oder aufdringlich. Natürlich sind damit keine Pegelorgien drin, aber in Anbetracht des Preises müssen irgendwo auch Kompromisse gemacht werden;-)

Weil bereits zu Beginn des Projektes klar war, dass dies ein Einsteiger-Projekt werden sollte, habe ich bewußt auf die Nutzung der Oberfräse verzichtet. Dieses Projekt ist im Prinzip mit Stichsäge, Schraubendreher und Lötkolben zu meistern. Ein Lochfräser für die Bohrmaschine, um die kleinen Löcher für Port und HT herzustellen, ist etwas komfortabler, aber nicht zwingend. (Diesen könnte man aber im Zweifel vermutlich auch beim Nachbar oder Freund ausleihen.)

Bleibt noch zu sagen, dass im Rahmen der "Hochtöner-Spende" von Nico Germanos und Quint noch zwei weitere Boxen entwickelt wurden. Beide sind von D.A.U.lern gebaut worden und liefern ebenfalls viel HiFi für kleines Geld. Alex' Box ist in der Zeitschrift K+T als Cheap Trick 280 veröffentlicht worden. (Der zugehörige Thread im dhf ist trotz enormen Zuspruchs der User leider ohne Begründung geschlossen worden.) Oli's Aquinta ist ebenfalls im Quint Store zu finden und kommt mit einem etwas aufälligeren Design daher. Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass die IceBox wie auch die beiden anderen Projekte zeigen, wie mit günstigem Material echtes HiFi möglich wird. Wenn diese Worte jetzt Lust gemacht haben, selbst auch mal Stichsäge und Lötkolben in die Hand zu nehmen, habe ich mein Ziel erreicht!

Stand Oktober 2015